Liliencron Poggfred

13.1 Liliencron Poggfred
Unter Gustav Kneist entwickelte sich die Villa um 1900 zu einem Treffpunkt von bekannten Literaten. Einer von ihnen war Detlef von Liliencron. Eigentlich Friedrich Adolf Axel Freiherr von Liliencron (1844 – 1909), gehörte er seinerzeit zu den wichtigsten deutschen Lyrikern. Zunächst absolvierte er die typische preußische Karriere als Offizier und Beamter, aber seine Spielsucht und Schulden zwangen ihn 1885, den Staatsdienst zu verlassen. Fortan arbeitete er als freier Schriftsteller. Liliencron hielt nicht viel von den meisten modernen Errungenschaften, vielmehr spielt in vielen seiner Gedichte die Flucht aus dem Treiben der Großstadt in eine romantisierte Landschaft eine zentrale Rolle.
 
Auszug aus "Poggfred - Kunterbuntes Epos in neunundzwanzig Kantussen" von Detlev von Liliencron:
 
Erster Teil: Einkehr in Poggfred.
Erster Kantus: Der Aussichtsturm.
 
Dies ist ein Epos mit und ohne Held,
Ihr könnts von vorne lesen und von hinten,
Auch aus der Mitte, wenn es euch gefällt.
Ja, wo ihr wollt, ich mache nirgends Finten,
Klaubt euch ein Verslein aus der Strophenwelt!
So sucht ein Kind im Kuchen nach Korinthen.
Ob sie euch schmecken, kümmert mich fürwahr nicht;
So lest denn mit Geduld! Meintwegen garnicht.
 
Tut, drin zu lesen, wirklich wer den Schwur,
Ums Himmelswillen, nur nicht die »Gesänge«
Wie einer Zwiebelreihe tote Schnur
»Herunterhaun«, sonst kommt er ins Gedränge.
Denn das wär eine Elefantenkur,
Und gräßlich wirkte, opiumgleich, die Länge.
Nein, wie gesagt, nur hier und dort ein Canto,
Und ganz beliebig ausgehülst ex Quanto.