Wer unbotmäßig ist, verliert Job und Wohnung

21.1 Heye zur Arbeiterbewegung
Ferdinand Heye gewährte zwar viele Sozialleistungen, sah sich aber als absoluter Herrscher über die Fabrik und seine Arbeiter. War es wagte sich in Gewerkschaften oder Parteien zu engagieren, drohte die Kündigung und damit auch meist der Verlust der Wohnung.
 
So erging es dem Glasbläser Hermann Elsner. Er wohnte 1877 in der Stube Nr. 172. Ihm kündigte Heye mit der Begründung Mitglied des „Social Demokratischen Vereins des Glaskünstler Bundes“ zu sein. Zudem wirkte Heye auf die Gerresheimer Stadtverwaltung ein, dass Elsner nicht nur die Werkswohnung zu verlassen habe, sondern auch gleich ganz Gerresheim.
 
Die Polizei stellte Elsner ein Ultimatum, er müsse in 14 Tagen Wohnung und Ort verlassen. Selbst die Bitte Elsners, er habe einen Arbeitsunfall gehabt und man möge ihm doch noch ein paar Tage mehr einräumen, bis er wieder gehen könne, kanzelte der Gerresheimer Bürgermeister ab: „Das geht mich nichts an, kommen sie mir nicht wieder.“ Fast zeitgleich ließ der Bürgermeister die Kasse des Glasarbeiterbundes beschlagnahmen.
 
Die Arbeiterpresse reagierte:
 
„Wenn sich aber begründet, was der betr. Genosse über das Befinden des vom dem Bürgermeister mit Beschlag belegtem Bundesinventars, inkl. Casse, geäußert hat, dann werden wir dem Herrn „gesetzeskundigen“ Bürgermeister Ernst mit allem „Ernst“ klarstellen, mit welchem Rechte er fremdes, wenn auch mit Beschlag belegtes Eigenthum Privat-Händen (gemeint ist Übergabe des Geldes an Ferdinand Heye) zu übergeben hat. Soweit wollen wir denn doch nicht die Freundschaft zwischen Bürgermeister und Fabrikantenthum in Gerresheim gelten lassen, ohne unsere berechtigte Einwendung dagegen zu machen.
 
Vielleicht lässt sich später einmal ein Wörtchen über die Kinderbeschäftigung in der Heye’schen Glashütte sprechen, denn dass vordem Kinder von 12 Jahren beschäftigt und bei Erscheinen des Fabrikinspektors versteckt, resp. zur Hütte hinaus befördert wurden, das wissen wir.
 
Nur zu, Ihr Herren Gegner der Arbeitersache, mit Eurem Drucksystem – Druck erzeugt Gegendruck – und das von Euch zu Boden getretene Recht des Arbeiters wird doch recht bleiben und trotz Eurer Fußtritte immer kräftiger verlangt werden, so kräftig, dass Euch von dem allgemeinen Rufe nach Menschenrecht die Ohren gellen werden.“