Wohnen bei Heye

22.2 Wohnen bei Heye
„Ihre Kleidung ist grob, aber reinlich und bequem. Die Kost ist einfach, besteht aus Bier, Brot, Kaffee, Tee, Käse, Gemüse und Fleisch 1x die Woche. Der Lohn ist gering, aber auch die Kost für den Lebensunterhalt ist vergleichend leicht.“ So schilderte ein Zeitgenosse die Bewohner der Siedlung Neustadt im Jahr 1888. Ob das nicht alles ein bisschen zu schön beschrieben ist, darf jeder selbst beurteilen.
 
Die eingeschossigen Häuser hatten eine Wohnfläche von ca. 50 Quadratmeter, ein Luxus für Arbeitersiedlungen der Zeit. In der Regel bestanden sie aus der „besten Stube“, dem Schlafzimmer einem kleinen Zimmer für die Mahlzeiten und einer Küche. Nicht zu vergessen die fensterlose „Dunkelklammer“ für die Schichtarbeiter. Diese befand sich in der Mitte eines Raumes und hatte nur eine Tür und eine kleine Lüftung. War die Glasmasse fertig zum Flaschenblasen, ging der Schichtmeister von Haus zu Haus und weckte seine Arbeiter. Daher hatten die Haustüren auch keine Schlösser.
 
Waren erwachsene Töchter oder Söhne im Haus, konnte die Dachkammer zusätzlich als Wohnraum benutzt werden. Auf dieser kleinen Fläche lebten für gewöhnlich das Ehepaar mit einer großen Schar von Kindern, oft kamen noch die Großeltern hinzu. Die Toilette befand sich im Ziegen- bzw. Schafstall oder es wurde ein Plumsklo im Garten benutzt. Lag das „Örtchen“ in Richtung östliches Düsseltal, sagten die Benutzer auch: „Ich geh` mal eben nach Erkrath“.
Schlachtfest Neustadt, 1930
Schlachtfest in der Siedlung Neustadt im Jahr 1930 (Archiv Hanna Eggerath)