Glasmacherinterview

24.3 Glasmacherinterview
Drei Glashüttenmitarbeiter erinnern sich:
 
„Die Arbeit an den vollautomatschen Maschinen war die reinste Hölle: Lärm, Hitze, Staub. Nach zwei Stunden Arbeit war der feuerfeste Schutzüberzug fast durch, man spürte die Hitze immer mehr und er musste gewechselt werden. Sie müssen sich das so vorstellen: 600 Flaschen rauschten innerhalb einer Minute vorbei. Und wehe, da fiel das Förderband aus oder eine Flasche kippte um. Sofort lag da ein Riesenberg zerbrochener Flaschen und die Maschine konnte nicht abgestellt werden. Da hieß es schippen, schippen, schippen, bis der Schaden behoben war.“
 
„Meistens musste bei laufendem Betrieb ein Schaden behoben werden, jeder Stillstand war teuer und zeitraubend. Da sausten ihnen die glühenden Flaschen durch die Beine durch und sie schraubten verzweifelt an einem Maschinenteil herum, was defekt war. Schutzanzüge waren nur hinderlich. Ich habe die Hände und Arme voller Brandnarben. Aber mein Verdienst war hoch und meine Rente - meine Rente - ist sagenhaft.“
 
„In jedem Pausenstand der Maschinenhalle stand ein Kühlschrank mit Mineralwasser und Bier. Das stand zur freien Verfügung, wir schwitzten ja jede Menge Flüssigkeit aus und waren nach einer Stunde Arbeit in der Hitze kaputt. Nie mehr im Leben hat mir eine Flasche Bier, in einem Zug heruntergekippt, besser geschmeckt als neben der Maschine.
 
Die Hötter hielten wie Pech und Schwefel zusammen, wir waren eben wie eine große Familie. Nach Feierabend traf man sich in der Kneipe oder in einem der Taubenzüchter-, Sport- oder Gesangsvereine. Erst der Druck der Aktionäre und der Geschäftsführung und die vielen Entlassungen haben das alles allmählich kaputt gemacht.“