Es begann in einer Mühle

6.1 Anfänge in der Dammer Mühle
Die Konzession für die erste Drahtstiftefabrik in der Dammer Mühle erhielten 1843 die Gesellschaft des französischen Fabrikanten Sylvestre Trenelle, der im ehemaligen Kloster Saarn bei Mülheim eine Gewehrfabrik besaß, sowie sein Schwiegersohn Anton von Woringen. Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1844 wurden die Drahtstifte bereits präsentiert. Nach dem Tod seines Schwiegervaters 1845 ging von Woringen in den Militärdienst zurück und fiel 1849 im Deutsch-Dänischen Krieg.
 
Möglicherweise über die von Woringen‘sche Fabrik kam Franz Ignaz Dreher nach Gerresheim. Vermutlich war er bereits 1845 für diese Fabrik tätig, als Trenelle starb. Der aus dem Elsass stammende Dreher heiratete 1848 Johanna Neunzig, die Tochter des Arztes und späteren Revolutionärs Dr. Peter Joseph Neunzig. Zwischenzeitlich war er Teilhaber einer Drahtstiftefabrik bei Andernach geworden. Seinen 1850 gestellten Antrag, eine Drahtstiftefabrik in Gerresheim zu eröffnen, genehmigte die Verwaltung, da das der „Gemeinde nur vorteilhaft sein kann“.
 
Aus einem Schreiben des Gerresheimer Bürgermeisters Hermann Leven vom 20. Juni 1845:
 
In Folge landrätlicher Verfügung No 5790 vom 17. d. hat der mitunterzeichnete Bürgermeister dem hiesigen Fabrik-Besitzer Herrn Freiherrn von Woringen die Zuschrift der Königlichen Regierung No. 3681, I, III, betreffend die in Folge der vorigjährigen Gewerbeausstellung mit Preis-Medaille und öffentliche Belobigung mit Übersicht der Auszeichnung vom 21. Februar 1845 zugestellt, deren Empfang genannter Herr von Woringen mit dem innigsten Dankgefühl für den Beweis dieser aller höchsten Huld bescheinigt.
 
Auszug aus dem Protokoll des Gerresheimer Gemeinderats vom 30. April 1850, betr. der Aufnahme Ignaz Drehers als preußischer Staatsbürger. An dieser Sitzung nahm auch der Fabrikant Heinrich Frieding teil.
 
Es wird ein Einwanderungsgesuch des Fabrikanten Ignatz Dreher, in den preußischen Unterthanenverband aufgenommen zu werden, zur Prüfung und Beschlussnahme vorgelegt. In Erwägung, dass derselbe die Entlassung aus dem französische Staatsverbande und ein bisheriges gutes Betragen nachgewiesen hat; dass er notorisch Vermögen besitzt und die Anlage einer Drahtstiften-Fabrik der diesseitigen Gemeinde nur vortheilhaft sein kann. Aus diesen Gründen erklärt Gemeinderat, dass er gegen die ständige Niederlassung des bisher im Elsaß in Frankreich wohnhaft gewesenen Ignatz Dreher nebst seiner Familie in der Gemeinde Gerresheim nichts zu erinnern habe.
Ansichtskarte Dammer Mühle 1910
Die erste Drahtstiftefabrik befand sich in der Dammer Mühle zwischen Gerresheim und Erkrath. Hier eine Ansichtskarte aus der Zeit um 1910. (Privatarchiv Peter Stegt)
Lagekarte Dammer Mühle
Auf der Karte aus dem Jahr 1803 (Ausschnitt) ist die Lage der Mühle an der Düssel gut zu sehen. (Landesarchiv NRW)
Sylvestre Trenelle, Gattin und Tochter
Fabrikant Sylvestre Trenelle mit seiner Gattin und Tochter (Privatbesitz)