Die Stiftung

Aus dem Vertrag des Kirchenvorstandes mit den Neusser Schwestern vom 21. Januar 1895:
 
§2 Die Klosterschwestern erhalten in dem Krankenhause eine mit den nöthigen Einrichtungen versehene und den Regeln des Ordens entsprechende Wohnung zur ausschließlichen Benutzung […]
 
§3 Die Generaloberin […] verpflichtet sich die erforderliche Anzahl von geistlichen Schwestern unter Leitung einer Vorsteherin dem Krankenhause zuzuordnen, hat aber das Recht nach ihrem Ermessen dieselben abzurufen und durch neue zu ersetzen. Die Zahl der Schwestern ist vorläufig auf vier festgesetzt. […]
 
§7 Den im Aloysianum befindlichen Klosterschwestern gewährt der Kirchenvorstand von Gerresheim im Erkrankungsfalle unentgeltliche ärztliche Behandlung nebst Arznei, sowie beim Tode eine einfache, anständige Beerdigung. Bei Krankheiten, die über ein halbes Jahr dauern oder bei gänzlicher Dienstunfähigkeit kehren die Schwestern ins Mutterhaus zurück und werden durch andere ersetzt. […]

 
Aus dem Antrag des Kirchenvorstands Gerresheim an das Kölner Generalvikariat zwecks Einsetzung „barmherziger Schwestern“ aus Neuss zur Krankenpflege vom 17. Februar 1892 (Diözesanarchiv):
 
Schon längst wurde hier allgemein eine Niederlassung barmherziger Schwestern gewünscht und allmählig als dringendes Bedürfnis empfunden. Die hiesige Pfarrgemeinde, allerdings räumlich sehr ausgedehnt, zählt nach der letzten Aufstellung im Jahre 1891 mindestens 5500 Seelen, während die Seelenzahl im Jahre 1860 kaum 2000 betrug. Das rasche Wachsthum wurde durch verschiedene industrielle Etablissements, besonders aber durch die im Anfange der 60er Jahre hier gegründete Glashütte herbeigeführt, welch‘ letztere jetzt mehrere tausend Arbeiter beschäftigt.
 
Während früherhin die ländliche Bevölkerung überwiegend war, bildet jetzt bei weitem die Mehrzahl die Arbeiterbevölkerung, deren Frauen und Töchter zum großen Theil ebenfalls die hiesigen und in Erkrath gelegenen Fabriken besuchen. Für diese zahlreichen Arbeiterfamilien sind barmherzige Schwestern durchaus wünschenswerth, ja nothwendig, einmal um die Kranken und Wöchnerinnen in den Familien zu pflegen, sodann um eine Bewahrschule, eine Näh- oder Strickschule, eventuell eine Haushaltungsschule zu gründen und zu unterhalten.
 
Dazu kommt noch die religiöse Seite. Während bis zum Jahre 1860 kaum eine einzige protestantische Familie in der hiesigen Gemeinde zu finden war, hat von da ab die protestantische Bevölkerung gewaltig zugenommen; insbesondere wurden durch den protestantischen Besitzer der Glashütte prinzipiell fast nur protestantische Arbeiter herangezogen, Ende der 60er Jahre eine protestantische Kirche und Schule gebaut, Diaconissen zur Pflege der Kranken berufen und im vorigen Jahre von der Wittwe des verstorbenen Commercienrathes Heye ein schönes großes Haus „Ferdinand-Heim für Kranke, Altersschwache und Invaliden“ gebaut, das in diesem Jahre eröffnet wird und ganz unter der Leitung von Diaconissen steht, die sich auch in katholische Familien und besonders in gemischte Ehen mit katholischer Kindererziehung eindrängen. Die hiesige protestantische Gemeinde zählt jetzt bereits ca. 6000 Seelen, hat 2 eigene Pfarrer, 14 Schulclassen, so dass sich der protestantische Einfluss auf die katholische Bevölkerung immer mehr geltend macht und namentlich die gemischten Ehen befördert.
Aloysianum, 1895
Auf Ansichtskarten wurde das gerade fertiggestellte „Aloysianum“ 1895 stolz im Ensemble mit der Stiftskirche präsentiert (Privatarchiv Peter Stegt)